Hermann Nitsch

 

Den einen gilt Hermann Nitsch als Schmuddelkünstler, für die anderen hat er als Wegbereiter des Wiener Aktionismus schon längst seinen Platz in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingenommen. Umstritten ist er auf jeden Fall, provoziert hat er schon immer. Hermann Nitsch ist bekannt als Künstler, der junge Frauen oder Männer mit verbundenen Augen an ein Holzkreuz bindet und dann abwechselnd mit Schweineblut, Eigelb und Wasser begießt.

 

Hermann Nitsch ist der bedeutendste Vertreter des Wiener Aktionismus, den er bis heute vertritt. Der Wiener Aktionismus ist eine Bewegung der modernen Kunst. Das Erleben der Abgründe der menschlichen Seele, also Sadismus, Aggression, Geldgier, Perversität und dergleichen sollen in einer neuen Gesellschaft für jeden Einzelnen möglich sein.

 

Nitsch wurde 1938 in Wien geboren. Er absolvierte die graphische Lehr- und Versuchsanstalt Wien. Er beschäftigte sich mit dem Tachismus und Expressionismus. Der Tachismus versucht Empfindungen und das Unbewusste durch zufällige Techniken darzustellen und der Expressionismus ist die Kunst des seelischen Ausdrucks. Neben der Malerei veranstaltete er gemeinsam mit Otto Mühl und Adolf Frohner erste „theatralische Malaktionen“. Mit 19 Jahren hatte er die Idee des Orgien Mysterien Theaters, kurz OMT. Diese Idee beschäftigt ihn sein Leben lang und sammelt alle seine Bestrebungen. Nitsch war bereits vielerorts Gastdozent und Professor. Er gab auch viele Ausstellungen die mehr oder weniger positive Reaktionen mit sich brachten. Besondere Berühmtheit erlangte Hermann Nitsch durch seine Ausstattung und Regiebeteiligung an der Oper "Herodiade" von Jules Massenet an der Wiener Staatsoper. Nitsch veranstaltet auf dem von ihm erworbenen Schloss Prinzendorf  in Niederösterreich regelmäßig Orgien-Mysterien-Spiele. Seine Werke sind in der Öffentlichkeit sehr umstritten. Hierzu gehören eifrige Tierschützer, Theologen und Vertreter der öffentlichen Moral. Der Grund ist die Einbeziehung und Kombination von Opferritualen und liturgischen Elementen. Liturgie ist die Gestaltung des Gottesdiensts. Nach einer Aktion in Wien hatte der Hundehalter mehrere Prozesse am Hals und musste sogar drei Gefängnisstrafen absitzen.

 

Hatte Nitsch  früher noch rote Farbe über große Leinwände laufen lassen, ersetzt er nun die Farbe durch Blut, die auf den Rahmen gespannte Leinwand durch Betttücher, und agiert mit Innereien, Tierkadavern und menschlichen Körpern. 

Vor dem Hintergrund von Religion, Philosophie und Psychologie verfasste er zahlreiche theoretische Schriften, Kompositionen und Partituren zu weit über 100 realisierten Aktionen. Von letzteren Aktionen zeugen Malereien, Photographien, Relikte sowie Aufzeichnungen in Bild und Ton.

 

 

Hinter dem Wort OMT steckt eine neue Form des Gesamtkunstwerkes. Reale Geschehnisse werden durch Architektur, Malerei, Musik, Opferritual, Messliturgie, Tanz und Tierschlachtungen inszeniert. Alle fünf Sinne der Spielteilnehmer werden direkt beansprucht. Das Ziel ist eine Katharsis, also eine Reinigung oder Selbstfindung. Das hat er sich von griechischen Mysterienfesten abgeschaut. Die OMTs werden von Nitsch in Partituren festgelegt. Ein Zitat solcher folgt später. Rituale mit geschlachteten Tieren, mit Blut und Eingeweiden blieben der Kern seiner Arbeit, die er als "eine Art Religion" versteht. Er empfindet sein Werk als zeitgenössische Fortsetzung der Erlösungsidee der Menschheit. Rituelle Handlungen, Kreuzigungsrituale mit nackten Akteuren, Tierschlachtungen und kontrollierter Rausch sind Bestandteile des OMT. Erschreckende Mittel wie Blut, Gedärme, abgehäutete Stier- und Schafkadaver, nackte Akteure, Panzer und dergleichen kommen dabei zum Einsatz. Tiere werden durch Schlachter getötet, durch Akteure ausgeweidet, Menschen werden gehetzt und ans Kreuz gebunden.

 

 

Der Grund für sein Handeln ist die Tatsache, dass das Leben nun einmal seiner Meinung nach so spielt, und Nitsch es einfach offen und ehrlich auf den Tisch legt.

 

 

Zitat Nitsch "Es ist dieser Versuch des Orgien Mysterien Theaters, unterdrückte Triebstrukturen wie extreme Aggressions- und Destruktionsneigungen bis hin zum Tötungstrieb offen zu legen und abzubauen, der – meist uneingestandene – Gegebenheiten der menschlichen Existenz berührt und damit die vehemente Abwehr hervorruft."

 

Partitur Nitsch: der Stier wird im Hof vor der gegenüber der Schlosswand liegenden Stallaussenwand geschlachtet, der Stier bricht zusammen.

der Stier wird enthäutet, an den Hinterbeinen hochgezogen und wie gekreuzigt an der Stallaussenwand befestigt. gleichzeitig wird Wolf nackt mit einem weißen Tuch zugedeckt auf einer Tragbahre zu dem hochgezogenen Stier getragen und unter diesem abgestellt.

 Trillerpfeiferl (5 sec)

Wolf wird enthüllt. Der Stier wird ausgeweidet. auf die herabfallenden Eingeweide wird warmes Blut geschüttet. Wolf wird mit Blut bespritzt und beschüttet. Schlachtwarme nasse, dunstende, blutfeuchte Eingeweide fallen auf Wolf. Warmes Blut wird auf die Eingeweide geschüttet.

 

Nitsch nach einem Besuch am Schlachthof: „Das, was ich dort gesehen habe, das Blut, das ausgeflossen ist, die herausquellenden Gedärme, die wunderschönen Blumenfarben des Fleisches und des Gekröses, die mit frischem Blut betappten Metzgerschürzen - da habe ich mir gedacht, also eigentlich bist du als Maler ein Stümper. Diese Wirklichkeit übertrifft deine Malerei bei weitem.“

 

 

 

 

 

 

 

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